Aber nicht für alle Schwangeren und ihre Familien ist die Zeit der Schwangerschaft unbeschwert: finanzielle Probleme, existenzielle Unsicherheiten, instabile Familienverhältnisse oder Beziehungsprobleme können eine Schwangerschaft stark belasten. Unterstützung und ein offenes Ohr finden sie beim Team der Schwangerschaftsberatung des Caritasverbandes für die Stadt Recklinghausen.
Nöte werden größer
"Gerade jetzt in Corona-Zeiten sind die Nöte und Sorgen unserer Klientinnen noch größer geworden", weiß Rosemarie Treppe, Sozialarbeiterin in der Schwangerschaftsberatung. "Letztens war eine junge Frau in unserer Beratung, deren Ehemann in der Gastronomie beschäftigt ist und durch Corona in Kurzarbeit gehen musste. Nun hat das Paar, dem es vorher schon wirtschaftlich nicht gut ging, ernsthafte finanzielle Probleme. Beide waren kurz vor der Pandemie umgezogen, weil ja Nachwuchs erwartet wurde und hatten dabei ihre Geld-Ressourcen verbraucht. Dann kam die Kurzarbeit dazu, und nun haben die werdenden Eltern Schwierigkeiten, die Erstausstattung fürs Baby zu kaufen", berichtet Rosemarie Treppe.
Auch schwangere, alleinerziehende Mütter sind durch die Pandemie besonders belastet. "Alleinerziehend, abhängig vom Jobcenter und der Verlust des Minijobs, der bislang das eine oder andere doch ermöglicht hat, dieser fällt durch die Pandemie plötzlich weg, und das Kind kann zudem bedingt durch Corona nirgendwo betreut werden. Das bedeutet für viele einen sehr harten Einschnitt", erzählt Julia Kerker, Sozialpädagogin und Mitarbeiterin der Beratungsstelle.
Hilfen vom Bistum
In der Schwangerschaftsberatung wird zunächst geprüft, ob bereits alle Sozialleistungen in Anspruch genommen wurden. Sind alle Mittel ausgeschöpft oder auch bei sehr geringem Einkommen, können ergänzende Hilfen aus der Bundesstiftung für Mutter und Kind oder aus dem Bischofsfonds des Bistums Münster beantragt werden. "Damit kann zumindest das Allernötigste, wenn auch nur gebraucht, angeschafft werden", so Julia Kerker.
Aufgrund der Tatsache, dass das Jobcenter und viele andere Behörden seit fast einem Jahr an allen unseren Beratungsstandorten im Kreis Recklinghausen wegen Corona keine Präsenztermine mehr anbieten, laufen viel mehr Fragen zu ALG II, Elterngeld oder Wohngeld in der Schwangerschaftsberatung auf als früher. "Der Beratungsbedarf zu finanziellen Hilfen und sozialrechtlichen Ansprüchen ist deshalb stark gestiegen", fasst Monika Brühl, Leitung des Fachdienstes, die aktuelle Situation zusammen.