9. November 1995: Masut Iqbal, 24, ertrunken.
14. Oktober 1996: Vijay Saini, 19, als blinder Passagier aus einem Flugzeug gestürzt.
12. September 1999: Manikam Thanividirasa, 40, Suizid durch Erhängen.
Das sind nur drei von mehr als 2.500 bekannten Namen von Menschen, die auf der Flucht gestorben sind - an den EU-Außengrenzen, im Mittelmeer, in Lastwagen oder in Lagern. "Tatsächlich sind es sehr viel mehr", sagt Schwester Judith Kohorst. "Man geht von mehr als 72.000 dokumentierten Fällen in den vergangenen Jahrzehnten aus."
Die Franziskanerin lebt und arbeitet in der Gastkirche und im Gasthaus. Am Weltflüchtlingstag (20. Juni 2026) ist die Einrichtung Gastgeberin einer besonderen Aktion des Caritasverbands für die Diözese Münster: der Gedenklesung "Beim Namen nennen". Von 10 bis etwa 14 Uhr werden Haupt- und Ehrenamtliche im Viertelstundentakt Namen verlesen, die auf zwei Zentimeter breite Stoffstreifen geschrieben sind. "Unterbrochen wird die Lesung um 12.15 Uhr durch ein 15-minütiges Friedensgebet", erklärt Schwester Judith.
Während der offenen Lesung, die ein Kommen und Gehen ermöglicht, werden die Stoffstreifen an zwei Kuben befestigt, die auch über den Aktionstag hinaus für einige Zeit vor der Gastkirche stehen bleiben. Gemeinsam mit Partnern - darunter der Caritasverband für die Stadt Recklinghausen - möchten die Beteiligten an die vielen Menschen erinnern, die ihre Flucht mit dem Leben bezahlt haben.
"Wir wollen ihnen ihre Würde zurückgeben, damit sie nicht vergessen werden", betont Sofia Bißlich. Die Sozialarbeiterin arbeitet seit elf Jahren beim Caritasverband für die Stadt Recklinghausen und leitet seit sechs Jahren den Fachdienst Integration und Migration.
"Die Namen auszusprechen ist ein starkes Symbol. Es ist etwas völlig anderes, als nur Zahlen zu nennen", sagt auch Gregor Kortenjann, der sich in der Gastkirche engagiert und die Lesung ehrenamtlich unterstützt. "Mit den Namen kommen Emotionen - besonders dann, wenn man mehr über die Menschen erfährt."
Das bestätigt Sofia Bißlich: "Als wir im Team über die Aktion gesprochen haben, berichtete ein Kollege, der selbst über das Mittelmeer geflohen ist, von seinen Erfahrungen. Danach war es minutenlang still."
In ihrer täglichen Arbeit hört sie häufig solche Geschichten. "Auch bei uns in der Gastkirche erzählen viele Gäste von ihrer Flucht. Viele sind traumatisiert von dem, was sie erlebt haben", berichtet Schwester Judith.
Allen Beteiligten ist es wichtig, die Verstorbenen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. "Das sind keine Zahlen, sondern Menschen", unterstreicht Kortenjann. Wer fliehe, habe dafür einen gewichtigen Grund. Gleichzeitig gebe es vor Ort ein starkes Engagement für Geflüchtete, etwa im Flüchtlingskreis, der sich regelmäßig im Gasthaus trifft und in dem Ehren- und Hauptamtliche zusammenarbeiten. "Es ist wichtig, den Geflüchteten eine Stimme zu geben", sagt Sofia Bißlich.
Dazu sind auch die Menschen am Weltflüchtlingstag eingeladen: Wer sich spontan beteiligen möchte - etwa beim Beschriften der Stoffbänder oder beim Vorlesen der Namen - kann sich im Gasthaus per E-Mail an info@gastkirche.de melden oder bei Organisatorin Stefanie Tegeler, Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Münster, unter tegeler@caritas-muenster.de.

Sofia Bißlich vom Caritasverband für die Stadt Recklinghausen, Schwester Judith Kohorst von der Gastkirche und Gregor Kortenjann, der sich ehrenamtlich engagiert, (von links) beschriften die ersten Bänder für die Aktion "Beim Namen nennen" am Weltflüchtlingstag (20. Juni) an der Gastkirche. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe